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"als bis wir sein Warum erfasst haben"

Die Vierursachenlehre des Aristoteles in Rechtswissenschaft, Philosophie und Theologie

Grundlagen der Rechtsphilosophie
Band 4

1. Edition
(2017)
196 Pages, 5 schw.-w. Tab.
ISBN 978-3-515-11778-4 (Print)
ISBN 978-3-515-11779-1 (eBook)

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https://elibrary.steiner-verlag.de/book/99.105010/9783515117791

Jeder Gegenstand lässt sich durch Betrachtung seiner Ursachen oder Gründe (causae) systematisch begreifen. Aristoteles hat eine Kategorisierung dieser Ursachen entwickelt, die sich als höchst fruchtbar erwiesen hat und die, vornehmlich in den Naturwissenschaften, als ideengeschichtliche Konstante anerkannt ist: die Unterscheidung nach causa materialis (Bestandteile und Stoff), causa formalis (Gestalt, Wesensbegriff, Form), causa efficiens (Ausgangspunkt einer Wandlung) und causa finalis (Ziel). In textbasierten Geisteswissenschaften, wie in Jurisprudenz, Theologie und Philosophie, bestehen allerdings deutliche Anhaltspunkte dafür, dass sich die vier causae bis faktisch zur Gewinnung interpretatorischer Erkenntnisse, auch im Bereich von Texten mit normativen Gehalten, auswirken. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes behandeln in ihren Beiträgen die Frage, inwiefern sich der Auslegungsmethodenkanon auf Aristoteles‘ Kategorisierung zurückführen lässt und auf welche Weise und mit welchen Besonderheiten oder Abweichungen die causae integriert sind.

Verena Klappstein
Verena Klappstein ist am Passauer Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Privatrecht, Zivilverfahrensrecht und Rechtstheorie (Prof. Dr. Thomas Riehm) tätig. Sie ist Stipendiatin der Gleichstellungsförderung des Freistaates Bayern. Ihre Forschungsinteressen liegen im Zivil-, Zivilverfahrens-, deutschen und europäischen Wirtschaftsrecht, der Rechtsvergleichung, Rechtsphilosophie, Methodenlehre und Wissenschaftstheorie.

Thomas A. Heiß
Thomas A. Heiß ist am Passauer Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Privatrecht, Zivilverfahrensrecht und Rechtstheorie (Prof. Dr. Thomas Riehm) tätig. Er arbeitet an einer zivilrechtlichen Habilitationsschrift zum Thema "Summarische Prozesse und materielles Recht".

  • VORWORT5-7
  • INHALTSVERZEICHNIS7-9
  • Arbogast Schmitt: Zur Relevanz der aristotelischen Ursachenlehre für empirische Forschung9-37
  • Sebastian A. E. Martens: Juristische Methodik im Mittelalter37-55
  • Bernhard Klinger: „Ut pictura Biblia sacra?“ – Zu Möglichkeiten und Grenzen der Lehre vom vierfachen Schriftsinn55-75
  • Stephan Herzberg: Aristoteles’ Vierursachenlehre als Erklärungsideal75-87
  • Verena Klappstein: Warum ist Aristoteles Vierursachenlehre das wissenschaftstheoretische Fundament juristischer Auslegung und warum eignet sie sich als Matrix für eine Generalhermeneutik?87-119
  • Christian Ströbele: Die vier Ursachen in der theologischen Hermeneutik – Klassische Anwendungen und systematische Ausblicke119-143
  • Walter Sparn: Ursächlichkeit – eine hermeneutische Kategorie?143-161
  • Boris Hennig: Über die „Ursachen“ von Texten161-183
  • Markus Abraham, Thomas A. Heiß, Verena Klappstein: Von der Vierursachenlehre zur generativen Hermeneutik – Diskussionseindrücke, Fazit und Ausblick183-195
  • AUTORENVERZEICHNIS195--1