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Die Tränen der Mächtigen und die Macht der Tränen

Eine emotionsgeschichtliche Untersuchung des Weinens in der kaiserzeitlichen Historiographie



1. Edition
(2017)
356 Pages
ISBN 978-3-515-11855-2 (eBook)

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https://elibrary.steiner-verlag.de/book/99.105010/9783515118552

Tränen stellen zweifelsohne eine besonders intensive menschliche Ausdrucksform dar. Aufgrund ihres expressiven Charakters fungieren sie in der Regel als Geste, die – unwillkürlich oder willkürlich ausgeführt – spezifische Emotionen an ein Gegenüber vermittelt. Judith Hagen setzt sich anhand historiographischer Texte mit den vielfältigen Funktionen auseinander, die Tränen in der öffentlichen Kommunikation der römischen Kaiserzeit erfuhren, und geht zugleich auf den literarischen Kontext ein, in dem sie geschildert werden. Auf diese Weise werden Tränen von und vor antiken Machthabern zum Ansatzpunkt, um die kaiserzeitliche Geschichtsschreibung unter einem emotionsgeschichtlichen Blickwinkel neu zu lesen. Hagen kann mit dieser Untersuchung zeigen: Emotionalität hatte in der historischen Wirklichkeit und in der antiken Historiographie eine hohe Bedeutung.

Judith Hagen
Judith Hagen, Studium der Alten und Mittelalterlichen Geschichte und der Klassischen Philologie an der Universität Regensburg. Promotion in Alter Geschichte an der Universität Bayreuth, daneben Lehrtätigkeit in Alter Geschichte und Lateinischer Philologie. Forschungsschwerpunkte sind die Emotionsgeschichte (bzw. die Kultur- und Mentalitätsgeschichte im weiteren Sinne), die kaiserzeitliche Historiographie und die Spätantike, insbesondere die Pseudoklementinen.

  • VORWORT7-9
  • INHALTSVERZEICHNIS9-13
  • EINLEITUNG13-14
  • I. FORSCHUNGSGESCHICHTE UND METHODISCHES VORGEHEN14-67
    • 1. EMOTIONEN UND RITUALE IN DEN ALTERTUMSWISSENSCHAFTEN14-42
      • 1.1 Ritualgeschichtliche Beiträge14-27
        • 1.1.1 Machteliten und Rituale15-21
        • 1.1.2 Kulturgeschichtliche Beiträge21-27
      • 1.2 Emotionsgeschichtliche Beiträge27-37
        • 1.2.1 Philosophie27-29
        • 1.2.2 Geschichtswissenschaft und Philologie29-37
      • 1.3 Tränen in den Altertumswissenschaften37-41
        • 1.3.1 Literaturwissenschaftliche Beiträge37-39
        • 1.3.2 Archäologische Beiträge39-41
        • 1.3.3 Kirchengeschichtliche Beiträge41-42
    • 2. EMOTIONEN UND RITUALE IN DER MEDIÄVISTIK42-55
      • 2.1 Affekte und ihre Kontrolle42-45
      • 2.2 Emotionen als strategisches Instrument mittelalterlicher Politik45-50
      • 2.3 Emotionen als spontane menschliche Ausdrucksformen50-52
      • 2.4 Abhängigkeit emotionaler Ausdrucksformen von spezifischen sozialen Gruppen52-55
    • 3. METHODISCHES VORGEHEN55-65
      • 3.1 Physiologie und Psychologie des Weinens55-59
      • 3.2 Historizität und Authentizität59-61
      • 3.3 Emotionsgeschichtliche Analyse kaiserzeitlicher Historiographie61-64
      • 3.4 Definition des Weinens und Abgrenzung des Wortfelds64-65
      • 3.5 Textcorpus65-67
  • II. UNTERSUCHUNG DES WEINENS IN DER KAISERZEITLICHEN HISTORIOGRAPHIE67-320
    • 1. WO WIRD GEWEINT?67-109
      • 1.1 Cicero und Quintilian über das Weinen vor Gericht67-74
        • 1.1.1 Cicero67-72
        • 1.1.2 Quintilian72-74
      • 1.2 Weinen vor Gericht in der Historiographie74-82
        • 1.2.1 Die (erfolglosen) Tränen der Servilia75-77
        • 1.2.2 Die (bedingt erfolgreichen) Tränen der Peponila77-78
        • 1.2.3 Die Tränen der Messalina und des Vitellius78-82
      • 1.3 In der Kurie und auf dem Forum82-96
        • 1.3.1 In der Kurie82-89
        • 1.3.2 Auf dem Forum89-96
      • 1.4 Im Circus und im Theater96-99
      • 1.5 In der Kirche und ihrer Umgebung99-102
      • 1.6 Im Lager und auf dem Marsch102-106
      • 1.7 In privatem Rahmen106-109
    • 2. WER WEINT – UND VOR WEM?109-164
      • 2.1 Weinende Kaiser und Feldherren vor Soldaten109-122
        • 2.1.1 Weinen vor Soldaten110-116
        • 2.1.2 Weinen vor revoltierenden Soldaten116-122
      • 2.2 Weinende Soldaten122-136
        • 2.2.1 Weinen in Situationen der Gehorsamsverweigerung122-127
        • 2.2.2 Weinen als Geste der Loyalität127-134
          • 2.2.2.1 Bei Begrüßung und Abschied127-129
          • 2.2.2.2 Treue zum Feldherrn in Kriegssituationen129-130
          • 2.2.2.3 Treue der Soldaten Othos angesichts seines Untergangs130-134
        • 2.2.3 Weinen im Krieg134-136
      • 2.3 Weinende Senatoren136-138
      • 2.4 Weinende Kaiser und weinende Senatoren beim Machtverzicht138-163
        • 2.4.1 Tränen bei der Ablehnung von Ehrungen und Macht139-154
          • 2.4.1.1 Die Annahme des Titels pater patriae durch Augustus139-143
          • 2.4.1.2 Tränen bei der Ablehnung politischer Macht143-154
        • 2.4.2 Tränen bei der Rückgabe politischer Macht154-161
        • 2.4.3 Tränen beim Machtverzicht als inszeniertes Verhalten161-163
      • 2.5 Emotionen und Kommunikation163-164
    • 3. WEINEN FRAUEN ANDERS ALS MÄNNER?164-194
      • 3.1 Positiv gewertete weibliche Tränen165-170
      • 3.2 Tränen in negativ konnotierten Kontexten170-179
      • 3.3 Tränen (und Tränenlosigkeit) als machtstrategisches Instrument179-190
      • 3.4 Spezifisch weibliche Tränen?190-194
    • 4. WANN WIRD GEWEINT – UND WANN NICHT?194-273
      • 4.1 Weinen um Tote195-233
        • 4.1.1 Weinende Herrscher, Feldherrn und Politiker196-212
          • 4.1.1.1 Unwillkürliche Tränen der Trauer196-202
          • 4.1.1.2 Geheuchelte Tränen202-212
        • 4.1.2 Modi des Weinens um hochrangige Verstorbene212-230
          • 4.1.2.1 Die Tränen um Pompeius in Lukans Bellum civile212-216
          • 4.1.2.2 Die tränenreiche Trauer um Germanicus in den taciteischen Annalen216-221
          • 4.1.2.3 Weinen um verstorbene Herrscher221-228
          • 4.1.2.4 Vorgezogenes Weinen228-230
        • 4.1.3 Echte und unechte Tränen230-233
      • 4.2 Verbotenes Weinen233-257
        • 4.2.1 Verbotenes und bestraftes Weinen234-242
        • 4.2.2 Der Weise verbietet das Weinen um seine Person242-252
          • 4.2.2.1 Sterbende Philosophen243-252
          • 4.2.2.2 Sterbende Kaiser und Feldherren als Philosophen252-257
      • 4.3 Tränen beim Abschied257-260
      • 4.4 Tränen in religiösen Kontexten260-272
        • 4.4.1 Tränen bei der Buße: Theodosius I.261-267
        • 4.4.2 Tränen beim Gebet267-269
          • 4.4.2.1 Gebete gegen Feinde: Bischof Alexander von Konstantinopel und der Mönch Julian267-268
          • 4.4.2.2 Gott als Schlachtenhelfer: Theodosius I. und Julian Apostata268-269
        • 4.4.3 Tränen bei der Bekehrung: Julian Apostata und Augustinus269-272
      • 4.5 Möglichkeiten der Reglementierung interpersonellen Interagierens272-273
    • 5. WELCHE EMOTIONEN WERDEN PRÄSENTIERT – UND WOZU?273-318
      • 5.1 Tränen, Emotionen, Tugenden und der Charakter274-276
      • 5.2 Indikatoren für die Eignung zum Herrscher276-303
        • 5.2.1 Fähigkeit zu Mitleid und Trauer276-287
        • 5.2.2 Tränen angesichts der notleidenden Stadt287-293
        • 5.2.3 Tränen als Sieger um den Besiegten293-301
        • 5.2.4 Tränen und Tränenlosigkeit als Zeichen charakterlicher Stärke301-303
      • 5.3 Indikatoren für die mangelnde Eignung zum Herrscher303-313
        • 5.3.1 Geheuchelte Fähigkeit zu Mitleid und Trauer304-306
        • 5.3.2 Tränen als Zeichen unmännlichen Verhaltens306-310
        • 5.3.3 Tränen aus Feigheit und Angst310-313
        • 5.3.4 Tränen als Zeichen charakterlicher Schwäche313-318
      • 5.4 DAS EMOTIONSINVENTAR RÖMISCHER HERRSCHER UND SEINE DARSTELLUNG318-320
  • III. ZUSAMMENFASSUNG320-328
  • LITERATURVERZEICHNIS328-343
    • WÖRTERBÜCHER328-328
    • QUELLEN328-330
    • KOMMENTARE UND ÜBERSETZUNGEN330-331
    • SEKUNDÄRLITERATUR331-343
  • REGISTER343-348
    • PERSONENREGISTER343-348
    • STELLENREGISTER348--1