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Von Mommsen zu Gelzer?

Die Konzeption römisch-republikanischer Gesellschaft in "Staatsrecht" und "Nobilität"

Historia – Einzelschriften
Band 248

1. Edition
(2017)
262 Pages
ISBN 978-3-515-11851-4 (Print)
ISBN 978-3-515-11856-9 (eBook)

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https://elibrary.steiner-verlag.de/book/99.105010/9783515118569

Theodor Mommsen ist eine der Zentralfiguren althistorischer Wissenschaftsgeschichte. Für lange Zeit stand jede Beschäftigung mit Rom in seinem Schatten. 1912 veröffentlichte der junge Schweizer Matthias Gelzer jedoch eine Habilitationsschrift, in der er sich im Namen einer fortschrittlichen "Gesellschaftshistorie" radikal vom "Staatsrechtler" Mommsen absetzte. Gelzers aufmüpfige Polemik bot späteren Forschern wiederum einen willkommenen Anlass, um sich vom gefürchteten Übervater loszusagen. Mit dem Verweis auf Gelzer konnte man sich auf die progressive Seite stellen und Mommsen zu den Akten legen. Simon Strauß stellt dieses Vorgehen nun entschieden in Frage und argumentiert, dass in Mommsens Werk – gerade auch in seinem 1871–1888 erschienenen "Römischen Staatsrecht" – schon viele gesellschaftsgeschichtliche Aspekte behandelt werden. Gelzers Leistungen lassen sich in diesem Licht betrachtet durchaus relativieren. Strauß weckt Zweifel an der Selbstdeutung der althistorischen Forschungsgeschichte und bewertet die Stellung Theodor Mommsens neu.

Simon Strauß
Simon Strauß, Studium der Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge (UK). Anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter am althistorischen Lehrstuhl der Humboldt Universität zu Berlin. Anstellung am Sonderforschungsbereich "Transformationen der Antike". Ab September 2016 Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Forschungsschwerpunkte: Wissenschaftsgeschichte und die Römische Gesellschaftsgeschichte.

  • VORWORT7-9
  • INHALTSVERZEICHNIS9-11
  • I. EINLEITUNG11-17
  • II. METHODOLOGISCHE VORBEMERKUNG17-25
  • III. ZUR PROBLEMGESCHICHTE VON „GESELLSCHAFT“25-37
    • 1. BEGRIFFSGESCHICHTLICHER ÜBERBLICK25-30
    • 2. DER GESELLSCHAFTSBEGRIFF BEI HEINRICH VON TREITSCHKE30-32
    • 3. DER GESELLSCHAFTSBEGRIFF UM DIE JAHRHUNDERTWENDE32-34
    • 4. ZUSAMMENFASSUNG34-37
  • IV. CHARAKTERISTIKA RÖMISCH-REPUBLIKANISCHER GESELLSCHAFT37-45
  • V. AUF SCHATZSUCHE IN STEINIGEM TERRAIN – WIEVIEL GESELLSCHAFT VERBIRGT SICH IN MOMMSENS „STAATSRECHT“?45-143
    • 1. WERKBIOGRAPHISCHE EINORDNUNG UND METHODIK45-54
    • 2. REZEPTION UND FORSCHUNGSÜBERBLICK54-72
      • 2.1 Rezensionen54-60
      • 2.2 Forschung60-69
        • 2.2.1 Defizittopiker61-64
        • 2.2.2 Zwei-Seiten-Betrachter64-67
        • 2.2.3 Überschussanalytiker67-69
      • 2.3 Zusammenfassung69-72
    • 3. GESELLSCHAFTSGESCHICHTLICHES ENTWICKLUNGS- UND SCHICHTUNGSMODELL72-106
      • 3.1 „Patricische Gemeinde“72-77
      • 3.2 „Patricisch-plebejische Gemeinde“77-82
      • 3.3 Anhaltende Vormachtstellung der Patrizier82-87
      • 3.4 „Nobilität“87-91
      • 3.5 Exkurs: „Senatorenstand“91-93
      • 3.6 „Ritterschaft“93-97
      • 3.7 Exkurs: „Ritterstand“97-100
      • 3.8 „Freigelassene“100-104
      • 3.9 Zwischenergebnis104-106
    • 4. MANIFESTATIONEN VON SOZIALEM RANG106-120
      • 4.1 Theatersitzordnung und Interaktionsrisiken106-110
      • 4.2 Insignien und Ehrenrechte110-115
      • 4.3 Senat und Volksversammlung als Feld sozialer Distinktion115-120
    • 5. EXKURS: MOMMSENS STAATSBEGRIFF120-138
      • 5.1 „Staat“ als Reich123-125
      • 5.2 „Staat“ als Volk125-128
      • 5.3 „Staat“ als Magistratur128-131
      • 5.4 Der Staatsbegriff als Testfall für Mommsens Differenzbewusstsein131-138
    • 6. ERGEBNIS138-143
  • VI. AM WENDEPUNKT? KONTINUITÄTEN UND BRÜCHE IN GELZERS „NOBILITÄT“143-215
    • 1. EINLEITUNG143-145
    • 2. REZEPTION UND FORSCHUNGSÜBERBLICK145-154
    • 3. WERKBIOGRAPHISCHE EINORDNUNG DER „NOBILITÄT“154-158
    • 4. ZU GELZERS METHODE158-166
    • 5. GELZERS SCHICHTUNGSMODELL166-175
    • 6. GELZERS „KLIENTELTHESE“175-185
      • 6.1 Vertikale Bindungen179-182
      • 6.2 Horizontale Bindungen182-185
    • 7. GELZERS THESE UND IHRE MÖGLICHEN EINFLUSSQUELLEN185-206
      • 7.1 Die „Klientelthese“ als funktionalistischer Theorie-Zusatz185-189
      • 7.2 Mögliche Einflussquellen der „Klientelthese“189-206
    • 8. GELZERS GESELLSCHAFTSGESCHICHTLICHES ENTWICKLUNGSMODELL206-210
    • 9. ERGEBNIS210-215
  • VII. FAZIT UND AUSBLICK215-223
  • ANHANG: TRANSKRIBIERTER AUSZUG AUS DEN „MEMORABILIEN“ VON MATTHIAS GELZER223-233
  • LITERATURVERZEICHNIS233-257
    • 1. PRIMÄRLITERATUR233-236
    • 2. SEKUNDÄRLITERATUR236-257
  • REGISTER257-259
    • 1) PERSONENREGISTER257-259
    • 2) SACHREGISTER259--1