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Generationenbeziehungen in den "Confessiones" des Augustinus

Theologie und literarische Form in der Spätantike

Hermes – Einzelschriften
Band 104

1. Edition
(2011)
317 Pages
ISBN 978-3-515-09721-5 (Print)
ISBN 978-3-515-11971-9 (eBook)

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https://elibrary.steiner-verlag.de/book/99.105010/9783515119719

In den Confessiones spiegelt sich die Umbruchphase der Spätantike wider, in der traditionelles Denken als nicht mehr hinreichend für eine sinnstiftende Einordnung des Individuums in die Welt erkannt wird. Während der Vater für ein der paganen Tradition verpflichtetes Bildungs- und Familiendenken steht, wird die Mutter zum exemplum einer christlichen Ehefrau und Mutter. Römische Rollenideale werden aufgenommen, jedoch in einem christlichen Kontext verinnerlicht. Ferner rehabilitiert Augustinus die christliche Familie gegenüber einem radikalen Askeseideal. In Generationenbeziehungen ist der Mensch innerhalb der empirischen Welt eingebunden, jedoch benutzen auch Bibel und christliche Tradition Metaphern aus diesem Bildfeld, um das Verhältnis des Menschen zu Mitmenschen, Gott oder Kirche auszudrücken. Hieran anknüpfend vollzieht Augustinus eine Neubestimmung zwischenmenschlicher Beziehungen auf einer spirituellen Ebene.

Während die Forschung bisher den Blick meist auf die Figur der Monnica beschränkt hat, erweitert Jochen Schultheiß den Untersuchungsgegenstand und erschließt in eingehender Textanalyse die Confessiones aus philosophisch-theologischer sowie literatur- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive.

Jochen Schultheiß
Jochen Schultheiß hat in Bochum, Pisa, Basel und Freiburg im Breisgau Klassische Philologie und Geschichte studiert. 2008 wurde er in Bamberg promoviert. Seither arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

  • INHALTSVERZEICHNIS5-9
  • VORWORT9-11
  • I. EINLEITUNG11-18
  • II. EINORDNUNG IN DEN FORSCHUNGSKONTEXT18-80
    • 1. LITERATURWISSENSCHAFTLICHE FRAGESTELLUNGEN18-50
      • a) Das Problem der literarischen Gattungsbestimmung20-37
        • α) Aufbau der Confessiones20-21
        • β) Die Confessiones in der Tradition autobiographischen Schreibens21-24
        • γ) Der Titel: Confessiones24-25
        • δ) Die Confessiones als Apologie25-26
        • ε) Die Confessiones als christlicher Protreptikos26-29
        • ζ) Aspekte der Leserlenkung29-33
        • η) Die Confessiones und die spätantike cento-Technik33-37
      • b) Intertextualität37-42
      • c) Narratologie42-47
        • α) Augustinus: Autor – Erzähler – Figur43-44
        • β) Fokalisierung44-47
      • d) Psychoanalytische Ansätze47-50
    • 2. KULTURHISTORISCHE FRAGESTELLUNGEN50-73
      • a) Christianisierung der Wertebegründung50-59
      • b) Geschlechterrollen in der Spätantike59-66
        • α) Status der Frau59-66
        • β) Ehe66-73
    • 3. THEOLOGISCHE FRAGESTELLUNGEN73-77
      • a) Die Metapher im theologischen Sprach- und Vorstellungsraum73-77
      • b) Metaphorische Generationenbeziehungen77-80
  • III. GENERATIONENBEZIEHUNGEN IN DEN CONFESSIONES80-276
    • 1. GENERATIONENBEZIEHUNGEN IN DER THEOLOGIE AUGUSTINS80-105
      • a) Eltern-Kind-Beziehungen in der römischen Familie80-82
      • b) Eltern-Kind-Beziehungen in Bibel und antikem Christentum82-90
        • α) Leibliche und geistige Eltern-Kind-Beziehungen82-83
        • β) Gotteskindschaft83-85
        • γ) Konflikt leiblicher mit geistiger Eltern- und Kindschaft85-86
        • δ) Geistige Vater- und Mutterschaft zwischen Menschen86-87
        • ε) Familie im Neuen Testament und im antiken Christentum87-90
      • c) Generationenbeziehungen bei Augustinus90-102
        • α) Grundlage: Augustinische Anthropologie90-92
        • β) generatio92-94
        • γ) Leibliche und geistige Generationenbeziehungen94-102
        • δ) Mater ecclesia102-105
    • 2. LEIBLICHE UND GEISTIGE ELTERNSCHAFT IN DER KINDHEIT (BUCH 1)105-125
      • a) infantia105-112
      • b) pueritia112-124
      • c) Rückblick: Buch 1124-125
    • 3. DER HERANWACHSENDE ZWISCHEN FAMILIE UND GESELLSCHAFT (BUCH 2)125-141
      • a) Schulbildung und Ambitionen der Eltern125-134
      • b) Säkulares Familiendenken134-140
      • c) Rückblick: Buch 2140-141
    • 4. MONNICA ALS KORREKTIV DES IRRENDEN PROTAGONISTEN (BUCH 3–BUCH 8)141-192
      • a) Buch 3141-160
        • α) ‚Muttermilch‘141-148
        • β) Der Traum der Monnica148-160
      • b) Buch 4160-166
        • α) Formen der Trauer160-162
        • β) Weltliches und göttliches Vaterhaus162-166
      • c) Buch 5166-178
        • α) Aufbruch von Karthago nach Rom166-172
        • β) Monnica als Dido?172-178
      • d) Buch 6178-187
      • e) Buch 7187-189
      • f) Buch 8189-191
      • g) Rückblick: Bücher 3–8191-192
    • 5. NEUE FORMEN DER GEMEINSCHAFT I (BUCH 9,1,1–9,7,16)192-213
      • a) Neue Gemeinschaft192-195
      • b) Mutter-Sohn-Linie195-201
      • c) Vater-Sohn-Linie201-213
    • 6. CHRISTLICHE LAUDATIO FUNEBRIS AUF MONNICA (9,8,17–9,9,22)213-257
      • a) Die laudatio funebris214-219
      • b) Gliederung219-220
      • c) Einleitung220-224
      • d) Die Erziehung der Monnica224-240
        • α) Das erzieherische Wirken der Magd224-227
        • β) Das erzieherische Wirken Gottes227-240
      • e) Das vorbildhafte ethische Verhalten Monnicas240-245
        • α) Im Verhältnis zu Ehemann und Schwiegermutter240-245
        • β) Monnica allgemein friedensstiftend245-245
      • f) Monnica und die Topik der molestiae nuptiarum245-253
      • g) Monnica nicht nur leibliche, sondern auch spirituelle Mutter253-256
      • h) Zusammenfassung256-257
    • 7. NEUE FORMEN DER GEMEINSCHAFT II (BUCH 9,9–ENDE BUCH 13)257-274
      • a) Ekstase von Ostia257-262
      • b) Der Tod Monnicas262-265
      • c) Trauer265-268
      • d) Aufruf zum Gedenken an die Toten268-273
      • e) Bücher 10–13273-274
      • f) Rückblick: Bücher 9–13274-276
  • IV. ZUSAMMENFASSUNG276-285
  • V. LITERATURVERZEICHNIS285-302
  • REGISTER302--1